Einladende Kirche sein – Predigt zum Sonntag (10.06.2018)

Liebe Gemeinde,

was für ein rauschendes Fest! Wir kommen aus dem Feiern gar nicht mehr heraus! Dieses Wochenende haben wir Kreiskirchentag gefeiert – es war gigantisch! Über 1100 Schüler am Freitag, 120 Lehrer, das Jugendfestival am Abend, der Familienkirchentag am Samstag mit dem Kidnermusical und dem bunten Programm, einer steilen Predigt und dem Fußball-Tunier… und ich habe den Eindruck: Kirche legt sich gerade mächtig ins Zeug.

Vor zwei Wochen haben wir Andreas Fritsch verabschiedet – ein großartiges Fest! Die Kirche voll wie zu Weihnachten. Ihr habt gezeigt, was einladende Kirche ist: Es war ein Fest des Glaubens, ein Fest des Lebens. Sie haben das großartig gemeistert: jeder mit seinen Talenten, mit seinen Aufgaben, mit seinen Möglichkeiten hat dazu beitragen, dass es ein großartiges Fest werden konnte. Sie waren besorgt: wer wird kommen, wer nicht? – ob es reichen würde, ob es nicht zuviel wäre. Das sind die Unsicherheiten des Gastgebers, die Unwägbarkeiten, das Unplanbare. Und dann war alles weg, die Rechnung ging auf.

Einladend Kirche sein. Jesus selbst lädt ein. Wir haben das Gleichnis vom großen Festmahl gehört. Wie bei euch, wie zum Kirchentag: Da wird groß eingeladen. Man will Menschen dabei haben, sich mit ihnen freuen, man hat einen Anlass (oder auch nicht…), man muss einfach feiern. Viele kommen, manche nicht.

Kennen wir das? Sind wir dann nicht auch enttäuscht? Die wichtigsten Gäste bleiben plötzlich weg. Sie wären wichtig gewesen für uns – es hat uns etwas an ihnen gelegen. Ich habe einen Acker gekauft – ich habe mir gerade ein neues Gespann – auf vier Räder – gekauft, ich habe geheiratet… Ausreden-Erfinder: so haben meine Eltern Menschen genannt, die für alles und jeden eine Ausrede hatten. OK, wenn jemand krank geworden wäre, also unplanbar verhindert, dann kann man das ja verstehen. Dann würden wir ja auch Verständnis aufbringen. Aber so?

2. Jesus lädt ein – und er setzt noch eins oben drauf: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der heiligen und Gottes Hausgenossen! Er macht uns zu Mitgliedern seiner Familie, zu Kindern Gottes – und damit stehen wir urplötzlich auf der anderen Seite! Gästen, Fremden, na ja, denen kann man das ja nicht verübeln, wenn sie sich mit den Sitten und Gebräuchen nicht auskennen: die wissen es halt nicht besser! Die sind ja auch nicht so nah dran – stehen ihm nicht so nahe, da ist das ja vielleicht zu verschmerzen! Aber den eigenen Leuten, denjenigen, die dazu gehören? Wie nah stehen wir ihm – oder soll ich sagen: uns?

Jesus lädt ein. Er sagt: du bist mir wichtig! Du gehörst zu mir! Ich will dich in meiner Kirche haben – gemeinsam wollen wir das Fest des Lebens feiern, immer und immer wieder! Da zählen keine Ausreden: denn du gehörst zu mir! Ich habe dich bei deiner Taufe angenommen: du bist mein! Mit dir will ich meine Kirche bauen! Er mit uns – wir mit ihm – gemeinsam! Da wo ich bin: da ist Kirche – und wo du bist: ist Kirche, denn du bist ein Teil von ihr!

3. Wie zeigen wir das: dass du ihm wichtig bist? Als Kirche? Indem wir mithelfen, Kirche zu bauen, Kirche zu sein. Mit Kirche etwas zu erleben. Indem du und andere im Dabei sein spüren, wie Hoffnung wächst, wie Zukunft gelingt. Einladend Kirche sein: Menschen einladen, ihnen Mut zusprechen, sie trösten, ihnen die Richtung zeigen: das sind wahrhaft prophetische Gaben, die wir dazu brauchen – und bekommen sollen! Im Predigttext heute heißt es: Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede. Denn wer prophetisch redet, der redet den Menschen zu Erbauung, zur Ermahnung und zur Tröstung.

Ein Prophet sein – ein Mann, ein Frau Gottes. Auserwählt, berufen, eingeladen zum Fest, zum dabei sein, zum dazu gehören sollen. Und zum Dienst am Nächsten. Einer, der ermahnt, den Glauben an Gott nicht zu verlieren, sondern all sein Vertrauen auf ihn zu setzen: Jesaja, der Hoffnungsprophet mitten im Untergang! Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat, sagt der Hebr. 10,35! Einer, der mit aufbaut in vielfältiger Form: Der Kindern und Jugendlichen von seinem Glauben, von seinen Erfahrungen mit Gott erzählen kann, der handwerklich begabt ist, der das Gelände pflegt, dass sich die Gemeinde daran erfreut und entdeckt: hier geht es nicht den Bach runter, sondern hier lebt und wächst und gedeiht etwas. Einer, der für Gemeinschaft sorgt, eine, die gastfreundlich ist, freundlich, begabt, Menschen zueinander zu rufen, jemand anderes, der begabt ist, Sorgen und Nöte zu hören und Menschen im Alltag, oder sogar in schweren Zeiten zu begleiten: all das dient der Gemeinschaft, der Kirche Jesu Christi, dem miteinander wachsen im Glauben zu ihm hin: Unserem Herrn Jesus Christus. Aber es kommt eben auf das Miteinander, das Wie des Umgangs, die einladende, Hoffnung schöpfende und Zukunft eröffnende Haltung an.

Du bist ihm wichtig, deshalb lädt er dich ein dabei zu sein, mitzuhelfen, mit auszurichten! Jesus liegen die Menschen am Herz! Jeder ist ihm willkommen – geht hin und ladet ein! Das heißt für mich: wir sollen uns nicht zurücklehnen, auf der Sofakante hocken und resigniert schauen, dass heute vielleicht weniger da sind als zu den großen Festen. Es ist für mich ein Ansporn, zu denen zu gehen, die dazu gehören und darüber hinaus. Bei Jesus gilt kein Platzhalter, kein: ich war aber früher da, oder Ich bin aber wichtiger als du. Für ihn gilt: Es sind noch Plätze frei – also geht hin und ladet ein, auch die Menschen, die sonst nicht im Fokus sind: die Kleinen und die großen, die mit Sorgen und Problemen, diejenigen, die noch nichts von mir gehört haben und die man besser nicht fragt… die Armen, verkrüppelten, Blinden und Lahmen – auch sie will ich erreichen, auch sie sind eingeladen, auch sie sollen verwandelt werden: von Gästen und Fremdlingen hin zu echten Jüngern und Nachfolgern Christi. Und dann feiert Jesus mit uns ein rauschendes Fest! Wir kommen aus dem Feiern von Taufen, Hochzeiten und Konfirmationen gar nicht mehr heraus! Amen.