Der Mensch denkt – aber Gott lenkt

Eine Andacht zum Tagesvers der Bibelapp YouVersion vom 25.03.20

Als ich heute morgen beim Zahnarzt sitze und auf meinen Termin noch warte, nehme ich mir das Handy heraus und stöbere durch Losungen, Tageslese und meine Bibel-Apps. Das ist gewöhnlich meine Reihenfolge, mit der Bibel, mit Gottes Wort gut in Kontakt zu sein. Und wie schon in der letzten Woche hat mich ein Vers/ Abschnitt aus den Sprüchen Salomos Kapitel 16 heute ganz besonders angesprochen:

Aus den Sprüchen Salomos Kapitel 16

1 Der Mensch denkt über vieles nach und macht seine Pläne, das letzte Wort aber hat der HERR. 2 Der Mensch hält sein Handeln für richtig, aber der HERR prüft seine Beweggründe. 3 Vertraue dem HERRN deine Pläne an, er wird dir Gelingen schenken. 4 Der HERR sorgt dafür, dass jeden das Los trifft, das er verdient – auch für den Gottlosen kommt der Tag des Verderbens. 5 Der HERR verabscheut die Hochmütigen. Du kannst sicher sein: Keiner entkommt seiner Strafe! 6 Wer dem HERRN treu ist und Liebe übt, dem wird die Schuld vergeben; und wer Ehrfurcht vor dem HERRN hat, der meidet das Böse. 7 Wenn dein Handeln dem HERRN gefällt, bewegt er sogar deine Feinde dazu, mit dir Frieden zu schließen. 8 Besser wenig Besitz, der ehrlich verdient ist, als großer Reichtum, durch Betrug erschlichen. 9 Der Mensch plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seine Schritte.

Der Mensch plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seine Schritte. Der Mensch denkt, Gott lenkt, so auf den Punkt gebracht. Und schon fühle mich ich ertappt. Da grüble und denke ich Tag und Nacht, was werden soll in dieser Zeit, in dieser Situation, wälze mich hin und her, kann die halbe Nacht nicht schlafen, komme immer wieder auf eine neue Idee, die ich aufschreiben muss. Ob ich der Lösung näher gekommen bin?

Wir halten uns ja für unverbesserlich, oder besser gesagt: wir halten unser Handeln meistens für richtig. Der Mensch denkt – wir sind schließlich ein vernunftbegabtes Wesen, möchte man meinen. Ja, wir planen voraus – meistens jedenfalls. Aber dann kommt es anders, als man denkt. Corona hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Kinder zu Hause, Kontakt-Verbot, andere müssen ihr Geschäft schließen und wissen nicht, wie es weiter gehen soll. In Zeiten von Corona merke ich, wie angespannt manche Menschen sind. Die Sicherheit fehlt. Und wir haben es nicht in der Hand. Ist alles richtig, was wir machen? Nicht nur im Hinblick auf uns ganz persönlich – sondern auch im Miteinander und in Verantwortung vor Gott? Wir können noch so viel grübeln, im Augenblick können wir nur auf Sicht fahren, wie es so schön heißt.

Die Gespräche, die ich in den letzten Tagen führen konnte, zeigen noch eine andere Dimension. Menschen fangen wieder an zu beten. Sie tun dabei schon alles, was in ihrer Macht liegt, um die Situationen zu bewältigen, vor denen sie stehen. „Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.“ Statt krampfhaft selbst nach einer Lösung zu suchen und daran zu verzweifeln, lassen gläubige Menschen ganz bewusst einen Moment los und befehlen Gott die Sache im Gebet an. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wirds wohlmachen, heißt es in Psalm 37,5, und Paul Gerhard hat dazu – übrigens mitten in Pest-Zeiten des 30-jährigen Krieges – ein wunderbares Lied gedichtet.

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. (EG 361.1)

Lasst uns daher mit dem Theologen Reinhold Niebuhr beten:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.