Ein aufrüttelndes Martinsspiel in Tiefenort

Ja, wo kämen wir denn dahin, wenn das jeder so machen würde?

„Ich glaube es nicht! Unser Hauptmann hat seinen Mantel mit dem Schwert zerteilt!“ – Theresa brachte diesen Satz beim Martinsspiel 2019 in Tiefenort so überzeugend, dass alle wach wurden. Darauf Anna-Maria: „Na ja, vielleicht spinnt er ja doch?“ – „Wie meinst du das?“ „ Man erzählt sich, er würde an diesen Jesus Christus glauben. Der hat doch solche Dinge wie Nächstenliebe gepredigt. Aber wo kommen wir denn da hin, wenn das alle machen würden“. – Die Frage der Konfirmanden regte zum Nachdenken an.

Pfr. Volkmann fragte deshalb in seiner Gottesdienstgemeinde nach. Was wichtig geworden sei: Miteinander teilen? Drei Antworten bekam er: Nö; wir überlegen noch; ja sicher! Was wäre, wenn wir ablehnen oder alle nur zögerlich handeln würden? Oder wenn wir wie Martin die Worte Jesu ernst nehmen würden? Fangen wir an, untereinander zu teilen, uns auszusöhnen, Streit zu schlichten und dem Frieden nachzujagen, wie es in unserer Jahreslosung für 2019 heißt. Erinnern wir uns, was Jesus uns sagt: „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. Dennwie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“ (Lukas 6 – Feldrede).

Setzen wir Zeichen – mit Kerzen und mit Fackeln!

„Ich glaube, unsere Welt wäre ein bisschen heller und freundlicher, wenn es alle so machen würden! Setzen wir dafür heute ein Zeichen: Mit Kerzen und Fackeln!“ rief Pfr. Volkmann zum Laternenumzug mit Fackeln auf – dem gut 300 Tiefenorter folgten – begleitet von der Jugendfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Tiefenort, die den Zug absicherten. Am Ende gab gab es am Schanzehof frische Martinshörnchen zum Teilen – und viele kamen dort noch miteinanander ins Gespräch.

Großer Dank an alle, die beim diesjährigen Martinsumzug mitgewirkt haben: die aktuellen und ehemaligen Konfirmanden als Fackelträger, Martin als „St. Martin“, Aaron, Anna-Maria, Theresa, Laura und Mathilda in ihren Paraderollen im Martinsspiel und Diakonin Jana Volkmann für die Idee und das Einüben des Martinsspiels. Schließlich war Fricka das erste Mal als „St. Martin“ auf dem Pferd der Familie Hörmann. Nicht zu vergessen die Kirchenältesten hinter den Kulissen und dem Bratwurst-Stand. Vielen Dank!

Einladung zum Martinsfest am 10. November um 17.00 Uhr

Alle Kinder und Erwachsenen sind auch in diesem Jahr herzlich eingeladen, heute um 17 Uhr zum Martinsumzug nach Tiefenort zu kommen. Wir beginnen mit einer Andacht in der Kirche. Dort erzählen Kinder und Konfirmanden in einem Anspiel die Geschichte von St. Martin. „Uns soll ein Licht aufgehen, warum Martin anderen Menschen geholfen haben – und das wollen wir feiern, indem wir Lichter anzünden“, erklärt Pfr. Thomas Volkmann die Tradition, das Martinsfest mit einem Lichtermeer von Laternen zu begehen.

Herzliche Einladung zum Martinsfest nach Tiefenort

Miteinander teilen wir Martinshörnchen, bevor uns der Reiter St. Martin auf seinem Pferd vor der Tür erwartet und wir mit 1000 Lichtern durch Tiefenort ziehen. Auch die Feuerwehr ist mit dabei, um den Laternenumzug durch das Dorf zu begleiten.

Zur Stärkung und zum Aufwärmen halten die Kirchenältesten von Tiefenort auf dem Kirchplatz dann noch Bratwurst und Getränke bereit, bevor die Laternen nach Hause gebracht werden.

 

Wer war St. Martin? Kennt ihr nicht – Erklär ich euch!

Martin lebte im 4. Jahrhundert nach Christus. Damals, vor ganz langer Zeit, gab es noch keine Computer, Cloud oder so etwas. Das, was wir über ihn wissen, haben die Menschen weitererzählt, von einem zum nächsten und irgendwann aufgeschrieben – auf Papier. Und weil sein Leben und Wirken so eine tolle Geschichte ist, kennen wir sie noch heute nach über 1600 Jahren!

Martin war der Sohn eines römischen Offiziers. Weil sein Vater in der Armee war, wurde der junge Martin gezwungen auch Soldat wie sein Vater zu werden. Das gefiel ihm gar nicht, denn schon damals glaubte er an Gott. Er wollte kein Soldat des römischen Kaisers sein, sondern ein Soldat Christi. Irgendwie passte das für ihn nicht zusammen: Christ und gleichzeitig Soldat sein.

Martin war ein guter Soldat und diente in der Kaiserlichen Garde des römischen Kaisers Konstantin II. Diese Soldaten hatten es gut und richtig tolle, große und rote Mäntel, damit jeder sehen konnte, wenn die Kaiserliche Garde kam. Eines Tages im bitterkalten Winter traf er auf einen armen Bettler. Der hatte absolut nichts, noch nicht einmal Klamotten. Dieser Bettler hatte noch nicht einmal einen Pullover an. So war ihm den ganzen Tag sehr kalt. Viele sind vorbeigekommen und haben nicht geholfen. Martin sieht ihn und das Leid rührt ihn. Da denkt Martin an Jesus, der predigte: Liebe deinen Nächsten… Und an die Geschichte vom barmherzigen Samariter, der hilft. Er nimmt sein Schwert und teilt seinen roten Mantel. Die eine Hälfte bekommt der Bettler, die andere behält Martin. So hat jeder mehr als genug und keinem geht es schlecht. Logisch, oder? Was für eine wunderbare Geschichte.

Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan, sagt Jesus ((lies Mt 25, 35-40). Wir feiern das Martinsfest, um uns an diese Geschichte zu erinnern. Sankt Martin soll unser Vorbild sein, meint ihr nicht auch?

Übrigens: Martin wurde aufgrund seines gelebten Glaubens später von seinen Mitchristen zum Bischof von Tours gewählt.