Die Brücke der Einheit – und die Brücken in unseren Herzen

Die alte Werrabrücke in Vacha ist mehr als Stein und Mörtel. Tatsächlich ist sie ein stummer Zeuge unserer Geschichte – und eine Predigerin. Im Laufe der Jahrhunderte hat sie Händler getragen, Soldaten und Grenzgänger. Später trennte sie, was zusammengehörte. Doch sie steht noch. Denn nichts bleibt für immer unüberwindbar.

Wenn wir heute in die Nachrichten schauen, sehen wir überall die alte Logik der Vergeltung. Konflikte wie zwischen Israel und dem Libanon, Russland und der Ukraine oder die Kämpfe im Kongo und im Sudan zeigen das gleiche Muster. Die Spirale der Gewalt dreht sich seit Generationen. Frieden hat sie noch nie gebracht.

Doch nicht nur in fernen Ländern spüren wir diese Dynamik. Sie begegnet uns auch im Kleinen: dem Nachbarn, der nicht grüßt. Dem einen Wort, das nie verziehen wurde. Menschen, die andere ausschließen. Überall dort, wo Menschen einander verletzen, macht sich die Logik des „Wie du mir, so ich dir“ breit.

Genau hier setzt der Apostel Paulus mit einem unerhörten Satz an: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Das ist keine fromme Floskel. Im Gegenteil: Es ist der Ausstieg aus der Sucht der Vergeltung. Wer immer nur zurückschlägt, bleibt Gefangener dessen, der ihm wehtat. Wer jedoch das Spiel nicht mehr mitspielt, wird frei. Genau das meint Paulus mit seiner radikalen Botschaft.

Ein beeindruckendes Beispiel dafür finden wir in der Geschichte von Josef. Von seinen eigenen Brüdern verraten und verkauft, sagt er später zu ihnen: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Seine Lebensgeschichte wurde nicht von der Bosheit anderer bestimmt – sondern von Gottes Treue.

Was bedeutet das nun für den Alltag? Die Hausaufgabe für diese Woche ist klein, leise und ehrlich. Wenn der Groll in dir hochsteigt, halte inne und atme durch. Dann sage im Stillen zu dir selbst: „Herr, ich schaffe es noch nicht, zu vergeben. Aber ich weigere mich, mein Herz von diesem Hass vergiften zu lassen. Schenke mir meine Freiheit zurück.“

Genau darum geht es: Unsere Brücke da draußen zeigt uns, dass Grenzen weichen können. Getrenntes kann wieder zusammenwachsen – nicht durch die Spirale der Gewalt, sondern durch die stille, unendlich starke Kraft des Guten.

Du bist frei. Fang heute an.

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