Pfarrhaus Tiefenort: öffentliche Ausschreibung der ersten Arbeiten startet

Die Ausschreibung für die ersten Arbeiten am Pfarrhaus in Tiefenort ist diese Woche gestartet. Dabei geht es zunächst um den ersten Bauabschnitt, die Energetische Sanierung des Pfarrhauses, die gefördert wird mit Städtebau-Fördermitteln (ISEK) und einem Förderanteil der Stadt Bad Salzungen. Dabei geht es um die energeische Sanierung von Fensterflächen, Erneuerung der Fassade, Bodenflächen im DG und Fußböden im EG sowie den Einbau eines Gasbrennwertgeräts mit kombinierter Solaranlage.

Ausgeschrieben sind insgesamt 4 Lose:

LOS.1 Fassadenarbeiten,

Los.2 Sanierung der Fenster und Türen und entsprechende Arbeiten an Außenwänden ,

Los.3 Sanierung des Fußbodens EG und Decke/Dachboden,

Los.4 Energieerzeugungsanlage.

Die Submission/Eröffnung der Angebote wird am 26.11.2020 im Büro des Pfarramtes Tiefenort in der Pestalozzistr. 16, 36433 Bad Salzungen stattfinden. Angebote werden an eben diese Anschrift erbeten.

Die offizielle Ausschreibung finden Sie im Ausschreibungsanzeiger für Thüringen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an unsere Planer:
ARCHITEKTURBÜRO Uwe FELSBERG, Mariental 38, 99817 Eisenach und
Ingenieurbüro Müller und Partner Toni Müller, Obere Predigergasse 4, 99817 Eisenach, ingenieurbuero-mueller-fink@web.de. Dort können Sie auch die detaillierten Ausschreibungsunterlagen für das Projekt / für jedes Los anfordern.

Wir würden uns über viele Angebote freuen und wünschen Ihnen eine gute Zeit! Bleiben Sie gesund!

Festgottesdienst zum Erntedankfest, Kirmes und 680. Kirchweih

Festlich geschmückt präsentiert sich die Peterskirche: der Turm ist beflaggt – das deutet auf etwas besonderes hin. Der Festgottesdienst, zum Erntedank und 680. Kirchweih, der am 27. September ausgefallen ist, wird am Sonntag, 18. Oktober, um 10 Uhr nachgeholt. Zugleich feiern wir Kirmes-Gottesdienst – und erinnern damit an den Ursprung der Kirmes: den Feierlichkeiten zur Kirchweih vor 680 Jahren, als die Kirche zu Tiefenort ihren urkundlich verbrieften Namen bekam: Peterskirche.

Dazu sind nicht nur die Kirmes-Pärchen herzlich eingeladen, sondern auch alle, die Erntedank feiern wollen. Wir möchten dazu mit den Kindern in Tracht einziehen und sie bei einer Kinderaktion im Gottesdienst beteiligen. Auch die Konfirmanden werden den Gottesdienst mit Fürbitten mitgestalten. Es wäre schön, wenn die Kinder dann ein Körbchen mit Erntedank-Gaben mitbringen könnten. Alle, die mit einziehen, treffen sich um 9:40 Uhr am Pfarrhaus.

Am Samstag soll ab 14 Uhr die Kirche mit Erntegaben vorbereitet und geschmückt werden. Frische und haltbare Lebensmittel sind herzlich willkommen. Die Erntedankgaben werden wir dem ökumenischen Kindergarten St. Elisabeth in Bad Salzungen und der Salzunger Tafel zur Verfügung stellen. „Gerade in diesen Zeiten ist das Teilen mit denen, die weniger haben, ein wichtiges Zeichen der Solidarität,“ sagt Pfr. Thomas Volkmann. Die Kollekte wird zum Einen für die Kirche in Tiefenort und zum Anderen für die Spendenaktion „Brot für die Welt“ erbeten. Extra Spendentütchen für „Brot für die Welt“ liegen auf dem Gesangbuch-Regal am Westeingang der Kirche.

Die homiletische Großwetterlage in Deutschland vor dem Reformationstag 2020

Vortrag auf dem Pfarrkonvent Bad Salzungen-Dermbach am 14.10.2020)

Liebe Schwestern und Brüder,

mir kommt das Gruseln. Überall Lichter auf den Gräbern. Skelette, die durch die Straßen wandern, Aberglauben aller Orten über Geisterbeschwörung und die Anbetung der Heiligen. In den Kinderbüchern kommen die Kinder aus dem Gruseln nicht mehr raus, Dementoren, Kammer des Schreckens, Hogwarts lässt grüßen. Thriller verkaufen sich blendend, manche „Tatort“-Sendung sind einfach nur noch abscheulich. „Geisterstunde“ ist ein längst beliebtes Spiel. In den Geschäften hängen Skelette, Totenmasken und ausgehöhlte Kürbisse, aus denen ein zahnloses Lächeln, eher ein schadenfrohes Grinsen leuchtet. Andere Erschrecken wird zum Spaß. Wir sind am Vorabend von Allerheiligen – Helloween –  All Hallows‘ Eve, der Abend vor Allerheiligen. Ein Tag zum Gruseln.

Halloween: zwischen Erntedank und Advent gelegen ist es mittlerweile ein Konsum- und Kostümfest geworden. Die Verkleidungsindustrie verkauft Spaß und Events, bevor die dunkle Jahreszeit beginnt, auch weil im September das Weihnachtsgeschäft eher schleppend beginnt. Und so werden aufgeschlitzte, geschnitzte Kürbisse, Totenmasken, Skelette und andere gruselige Figuren verkauft, und natürlich jede Menge Süßigkeiten. Bekannt ist der Spruch: gib süßes, sonst gibt’s saures.

Halloween, ein grauenhafter Tag. Wie kann man das nur feiern? So ist es mir in Erinnerung geblieben. Es war mitten im Vikariat in Sonneberg-Köppelsdorf, als an jenem Abend ein Kind verschwunden ist. Es war mit Christenlehrekindern bekannt, die ich im Vikariat betreut habe, denen damit Helloween ziemlich an die Nieren ging. Wie später herauskam, wurde es verschleppt, misshandelt. Das Grauen war mit einem Mal allgegenwärtig.

Wir feiern Reformation, nicht Helloween. Wir feiern Reformation, nicht Revolution. Und doch spielen auch die Erinnerungen an Oktoberrevolutionen, Novemberrevolutionen, die Aufstände und Putschversuche rund um den 9. November mit all seinen Facetten hinein in den Reformationstag. Zufall oder Absicht, dass all die großen Revolutionen in der Geschichte Deutschlands und der Welt just nach dem Reformationstag ihren Höhepunkt hatten?

Reformation heißt Verwandlung und Veränderung. Die Reformation war Ausgangspunkt für viele Veränderungen in Deutschland. Wir erinnern uns an die Bauernkriege 1525, an Thomas Müntzer, der die Reformation Luthers und seine Schrift zur Freiheit eines Christenmenschen für die Bauernbefreiung nutzt – oder sollte ich besser sagen: missbraucht? – und damit die Reformation mit der sozialen Frage in Deutschland verknüpft.

Soziale Missstände, Leibeigentum, Kriege und Fehden, Vetternwirtschaft sowie die Missstände in der Kirche heizen die Stimmung an, sind Auslöser der Reformation, Auslöser für Unzufriedenheit, der die Menschen auf die Straßen treibt, und Veränderungsdruck.

Luthers Reformation zielt genau auf den letzten Teil, die Missstände in der Kirche anzugehen. Luther will Kirche reformieren. Er liest in der Bibel: der Sabbat ist für den Menschen da – und überträgt das auf die Kirche: die Kirche ist für den Menschen da, nicht die Kirche für sich selbst. Kirche ist kein Selbstzweck. Die Suche nach dem gnädigen Gott, der einen sieht, der einem beisteht, der einen nicht verlässt, der ein Zufluchtsort wird (Psalm 46 !), ist der Beginn einer spezifischen lutherischen Frömmigkeit.

Die Reformation Martin Luthers greift damit die zentralen Missstände auf und will sie abschaffen:

  • die Heiligenverehrung als Vermittler zwischen Gott und Mensch
  • den Dogmatismus – wir erinnern uns: auch Päpste können irren
  • die Werkgerechtigkeit: das Aufwiegen von guten Taten gegen die Sünde, besser gesagt man kauft sich das Heil einfach ein und sündigt fröhlich weiter…, weil man kann sich ja „freikaufen“, Beichten, Buße tun…
  • und der Ablasshandel: das Kaufen von Vergebung, dass sich herauskaufen aus der Hölle, auch noch nachträglich nach dem Ableben durch die Verwandten.

Er wendet sich damit zentral gegen die Geschäftemacherei der Kirche, gegen das Geschäft mit der Angst.

Für ihn wird deutlich: Glaube äußert sich vielmehr in tätiger Liebe, in aktiver Nachfolge Jesu Christi, die auf Glauben, Liebe, Hoffnung fußt. Genau darauf nimmt Johann Hinrich Wichern Bezug, der zum Gründer der modernen Diakonie wird, als er 1832 das Rauhe Haus in Hamburg gegründet.

Dem Dogmatismus und der Geschäftemacherei der Kirche damals stellt er die vier reformatorischen Grundprinzipien entgegen:

  • solus Christus
  • sola gratia
  • sola fide
  • sola scriptura.

Das war natürlich ein Angriff auf die verfasste Kirche, aber mit gutem Grund. Er stellt die Autorität der Bibel, der Heiligen Schrift, der Gründungsurkunde des Christentums, der zentralen Glaubens Urkunde aller Christen in den Mittelpunkt seiner Theologie.

Hier stehe ich und kann nicht anders, soll er auf dem Reichstag zu Worms gesagt haben. Wenn ich nicht durch die Heilige Schrift widerlegt werde, werde ich nicht widerrufen. Kein Luther-Film kommt ohne sie aus. Gesprochen meist selbstbewusst oder gar triumphierend. Da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann ich und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.

Damit führt er Kirche wieder zurück zu den Quellen und in eine neue, veränderte Zukunft: Die Rückbesinnung auf die Quellen, auf das Ursprüngliche, auf den Kern: ad fontes, da folgt er dem Prinzip der Humanisten. Dabei will er die biblische Botschaft in all seiner Kraft wieder neu zu Geltung bringen gegen alle, die das Wort Gottes verfälschen oder missbrauchen. Für ihn ist auch klar, dass die Menschen dabei nicht aus dem Blick gelassen werden dürfen. Er will sie beteiligen, aus der reinen Konsumhaltung (Der Priester liest eine Messe…) herausholen, er will sie zu mündigen Bürgern des Reiches Gottes machen, zu selbstbewussten Menschen, die wissen, woran sie glauben. Es geht ums Priestertum aller Gläubigen. Für Luther war klar: Es gibt nur einen Priester, Jesus Christus (Hebräer 4,14). Dadurch, dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde, also selbst zu den Menschen kam, haben alle Zugang zum Heiligtum (Hebräer 10,9), ganz ohne andere Mittler, ob Heilige oder Priester. Weitere biblische Grundlagen für diese Sichtweise sind unter anderem 1 Petr 2,9Offb 5,10. Und er nimmt die Gläubigen zugleich in die Pflicht: In seiner Schrift „von der Freiheit eines Christenmenschen“ 1521 heißt die zentrale Doppel-Formel: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Darauf zielt seine Gottesdienst-Reformen ab, seine Lieder, seine Katechismen,  die Bibelübersetzung in die Muttersprache, damit sie jeder verstehen kann, und hinzu kommt die Schulbildung, zentrales Thema vor allen Dingen von Philipp Melanchthon, damit jeder Gottes Wort auch selbst lesen kann. Damit beginnt damals eine wahre Mission der Protestanten, eine Schickung zur Erneuerung der Kirche, die auf Transparenz, Durchblick, Klarheit, Relevanz für den Einzelnen, aber auch Einsatz und Zivilcourage für den anderen, angelegt ist.

Es ist die Urformel der Reformation: Ecclesia semper reformanda – die Kirche muss immer reformiert werden. Diese Formel besagt, dass die Kirche innerlich und wesentlich vor der Herausforderung steht, sich ständig zu erneuern, immer wieder aufs Neue, wie Karl Barth es formuliert hat, „mit dem Anfang anzufangen“. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe. Zum einen lauert damals wie heute die Gefahr, dass die Kirche zwar noch von Gott redet und vorgibt, auf seiner Seite zu stehen, in Wirklichkeit aber selber längst aus dem Glaubens- und Vertrauensgespräch mit Gott ausgestiegen ist, nicht mehr auf sein Wort hört, nicht mehr in seinem Licht steht, nicht mehr von seinem Geist bewegt ist. Zum anderen hat die Kirche den Auftrag, das Evangelium auf den Leuchter zu heben und in die Welt hinauszutragen. D.h. die Kirche steht in immerwährender Veränderung, genau wie die Gesellschaft. Matthias Ansorg hat uns dazu letzte Woche in Glaube und Heimat einen wichtigen und zentral Artikel auf die Titelseite gesetzt.

Die Kirche steht in Veränderungsprozessen – meistens denken wir dabei an Veränderungen der Stellenzuschnitte, vergessen dabei aber die Herausforderungen, die sich durch die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 30 Jahre gerade bei uns in den neuen Bundesländern ergeben haben.  Wir sind nicht mehr das Kernland der Reformation , die am meisten Gläubigen in Deutschland, wir sind längst Missionsland geworden, Christen in der Minderheit. Begonnen haben übrigens die massiven Kirchenaustritte in den beiden letzten Diktaturen, der Naziherrschaft und der Zeit des Kommunismus, für die die Kirche mit ihrem Eintreten für die Schwachen, mit ihrer Barmherzigkeit, mit ihrem uneingeschränkten Liebesgebot zum Systemfeind wurde. In meinen Ohren klingen noch die Worte des Stuttgarter Schuldbekenntnis von 1949 nach: „Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Verabschiedet am 19. Oktober 1949, vor genau 70 Jahren.

Die Stimmung im Land verändert sich wieder. Darauf wird Kirche reagieren müssen. Darauf sollte Kirche auch reagieren. Dabei dürfen wir die Grundlagen, die Bibel, Christus selbst nicht aufgeben, nicht verleugnen. Reformation ist, und das können wir am Reformationstag hochhalten, auch der Ruf in die Nachfolge dessen, was Jesus Christus uns vorgelebt hat, angesichts aller Veränderungen in der Gesellschaft, angesichts der Kommerzialisierung und Um-schreibung kirchlicher Feste, gerade auch angesichts der Umschreibung und Verleugnung der Geschichte, wie sie aktuell wieder versucht wird. Und wir sind durch das Ordinationsgelübde daran gebunden, authentisch und wahrhaftig Christus zu predigen, zum Glauben zu rufen und ihn vorzuleben und andere in die Nachfolge Jesu Christi zu rufen. Dafür steht für mich auch der Spitzensatz aus unserer Perikope: Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel.

Die Kirche muss sich verändern, sie ist kein Selbstzweck. Sie sollte das im Licht der Kernanliegen der Reformation tun. Bekennen, einen Standpunkt haben, Haltung zeigen.

Zum Reformationstag denken wir an Menschen wie Martin Luther, der sich hinstellte und seine Haltung durchgehalten hat. Andere haben es ihm gleichgetan, bis in die heutige Zeit hinein: Paul Schneider, Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King, der südamerikanische Bischof Desmond Tutu. Haltung haben bedeutet, einen persönlichen Standpunkt zu haben, aus gewissen Überzeugungen, nein: Gewissens-Überzeugungen heraus zu handeln. Christen handeln religiös motiviert. Eine Haltung hat damit zu tun, dass ich darauf achte, was mein Verhalten für andere und für die Zeit nach dieser Handlung bedeutet. Überzeugung und Haltung scheinen eng zusammen zu liegen. Was sind unsere Überzeugungen? Wie soll es weitergehen? Wohin soll und muss uns das ecclesia semper reformanda est vor dem Hintergrund der Reformation Luthers führen?

Feuerwehr-Predigt oder über die Einsatzbereitschaft von Ehrenamtlichen

Anlässlich des „Diakonie-Sonntags“ 2020, an dem in Tiefenort eigentlich die Feuerwehr „Tag der offenen Tür“ gehabt hätte, trafen wir uns statt dort im Gerätehaus zum Open-Air-Gottesdienst vor dem Pflegeheim „Schanzehof“. Dort wurden nicht nur die Kameraden eingesegnet, sondern auch dem Pflegepersonal auf besondere Weise Danke gesagt. Hier die Predigt dazu…

Liebe Gemeinde,

wussten sie, wie viele Feuerwehreinsätze es so im Jahr gibt? 41521 Feuerwehren gibt es in Deutschland, 22346 davon als freiwillige Feuerwehren. Mehr als 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind in einer Feuerwehr engagiert. Mehr als 203.000 mal rückten die Kameraden 2017 zu Bränden aus – 2.371.765 Einsätze aber galten der Notfallrettung: Bergen und retten. Die wichtigste Aufgabe der Feuerwehr besteht in der Abwendung von lebensbedrohlichen Gefahren für Menschen und Tiere, sei es durch Feuer, Überschwemmungen, einen Unfall, uvm. Aber auch das Schützen gehört dazu: Die Feuerwehr wehrt Gefahren für die Umwelt ab und betreibt aktiven Umweltschutz z. B. mit der Eindämmung von Ölunfällen und mit der Beseitigung von Ölspuren auf Straßen. Die Feuerwehr Bad Salzungen meldete für 2019 223 Einsätze, viele davon Brandbekämpfung, oft auch Hilfeleistung in Notfällen. Überraschend viele Mülltonnen brannten. Bis zum 21.08. gab es weitere 134 Einätze. Am 4. August vermeldete die Feuerwehr Tiefenort ihren 28. Einsatz – ein Brand. Der Einsatz vor dem Pflegeheim am 7. Mai – zum zweiten Open-Air-Gottesdienst war Einsatz Nr. 16. Soviel dazu.

Jeder 8. Deutsche arbeitet im Gesundheitswesen, das sind rund 5,6 Millionen Menschen, davon gut 1 Million Menschen in der Altenpflege. Die medizinische Versorgung steht sicher im Vordergrund, aber dann gibt es ja noch Tätigkeiten, die eher unbeliebt sind, über die keiner gerne redet, weil mit Scham behaftet. Auch hier in Tiefenort, in unserem Pflegeheim, bei den ambulanten Pflegediensten. Denn: 3, 41 Millionen Menschen in Deutschland waren 2017 pflegebedürftig, und es werden mehr.

Nun stell dir vor, du drückst den Notfallknopf – und nichts passiert. Alle drücken sich. Keiner kommt. Wenn du im Graben liegst, mit dem Fahrrad gestürzt bist – und alle fahren an dir vorbei. Natürlich, wir haben alle unsere Entschuldigungen und brauchen erst keine zu erfinden: Keine Zeit, bin gerade gestresst, muss in 5 Minuten in Dermbach sein, keine Lust, wer weiß, wie lange das dauert, dir zu helfen, und überhaupt: ich bin eh nicht der Typ, der anderen unter die Arme greift. Wer also hält an?

Da ist also ein Mensch in Not geraten, erzählt Jesus. Überfallen, geprügelt, geschlagen, vielleicht noch zugetreten. Und liegen gelassen. Und alle gehen vorüber. Alle haben eine Ausrede. Ich könnte mir ja die Hände schmutzig machen. Dass hier die Gut-Gläubigen, Priester und Levit, genannt werden, macht die Sache nicht einfacher. Scheinheilig gehen sie vorüber – wie die sprichwörtlichen drei Affen: Nichts sehen, nicht hören, nichts sagen. Nichts mit Zivilcourage. Nichts mit Einsatzbereitschaft, um Leben zu retten. „Lass sie doch ersaufen“, höre ich selbst von der großen Politik, wenn es um Ertrinkende geht – „haben sie sich doch selbst eingebrockt…“ Dass es um Menschenleben geht, die zu retten sind, wird mit Angst quittiert: sie könnten uns was wegnehmen.

Von Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit keine Spur. Wie sind wir doch verroht in den letzten Jahren. Und setzen dem Verrohen selbst keine Grenzen, greifen dem Rad lieber nicht die Speichen. Gelten denn die einfachsten Grundwerte nicht mehr? Aber wenn es um dich geht: was ist, wenn du Hilfe brauchst, wenn du gerettet, geborgen, zurückgeholt werden müssest, und du merkst: alle drücken sich?

Jesus fragt nicht: wer ist dein Nächster – da gibt es viele, und damit zugleich viele Ausreden. So vielen helfen – geht doch nicht! Jesus dreht den Spieß um: Wem bist du der Nächste geworden?

1875, heute vor 145 Jahren, wurde Albert Schweitzer geboren, ein berühmter Theologe, begnadeter Kirchenmusiker, der Johann Sebastian Bach verehrte und zu neuer Blüte brachte. Vor allem wurde er bekannt als Mediziner, der nach Lambarene, mitten in den afrikanischen Urwald ging, um dort mit den einfachsten Mitteln Menschen zu helfen. Ehrfurcht vor dem Leben – Leben erhalten, das war sein Lebensmotto.

Sanitäter und Feuerwehrleute, Ärzte und Pfleger, Seelsorger und Berater kommen und gehen: sie helfen und trösten in der Not. Sie sind da, wenn man sie braucht – und gehen, wenn sie ihren Job getan haben: Ihre Hilfe ist angekommen, und wurde angenommen. Retten und helfen, trösten und aufbauen – das ist die „Akutversorgung“, die erste Hilfe, der sich alles weitere fügt: Heilung, zur Ruhe kommen, Erholung und das Gefühl: ich bin nicht allein gelassen.

Nächstenliebe hat mit Mit-Menschlichkeit zu tun, mit Respekt voreinander. Wer keinen Respekt vor anderen hat, dem ist der andere schlicht egal. Wer immer nur sein eigenes Wohlergehen in den Mittelpunkt stellt, dem sind die anderen egal. Allerdings bleiben dann sehr viele sprichwörtlich „auf der Strecke“, werden nicht gesehen, bleiben liegen oder ersaufen. Aber das Beispiel vom barmherzigen Samariter zeigt: Du bist nicht egal – du bist mir nicht egal.

Deshalb ist Helfen, jede Art von Einsatzbereitschaft auch ein Akt christlicher Nächstenliebe und ein Akt des Glaubens, nämlich der persönlichen Überzeugung. Und es können auch „Nichtgläubige“ durch ihr Handeln genau das ausführen, was eigentlich Gottes Wille ist, erklärt uns schon Paulus im Römerbrief.

Ich lasse dich hier nicht liegen, nicht verrecken, nicht sterben. Du bist mir nicht egal. Ich helfe dir, ich steh dir bei! Genau so ist Gott – so geht er uns nach! Indem wir so handeln wie er, geben wir anderen Menschen Hoffnung, Trost und Rettung, vielleicht ganz unbewusst. Genau das macht das christliche aus – dass wir auf dem Weg der Nachfolge sind und so handeln, wie Gott es von uns erwartet. Micha 6:8 Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Aber was kriege ich dafür, wenn ich helfe, mich engagiere? Ganz viel zurück an Dankbarkeit. Ich habe während meiner klinischen Seelsorgeausbildung an der Uniklinik in Leipzig einen Z8immermann kennen gelernt, der 14 Meter vom Dachstuhl auf Beton gefallen war – ein Wunder, dass er überlebt hatte. Erstaunlich, was alles nicht gebrochen war. Er meinte, ein Engel habe ihn aufgefangen, und ihn den Sanitätern auf die Liege gelegt. Er fing an zu beten, war dankbar, nicht nur für die „Bewahrung vor Schlimmeren“, sondern vor allem für die neue Chance, die sich ihm durch die Heilung bot. Und er hat sich auf den Weg gemacht, die Sanitäter und Erstversorger, Ärzte und Krankenschwestern eingeladen, um Danke zu sagen. Als er das erzählte, ging das selbst mir unter die Haut.

36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Fragt Jesus den Pharisäer. 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen! Damit keiner unter die Räder kommt, ist Helfen nicht nur eine gewisse Notwendigkeit, sondern am Ende eine Gewissens-Notwendigkeit.

Daher gilt heute mein, unser Dank allen, die Einsatzbereitschaft zeigen: als Ärzte und Krankenschwestern, in der Pflege und in der Feuerwehr. Und vielfach auch darüber hinaus: allen, die Menschen helfen, in der Familie, unter Freunden, in den Vereinen und unserer Kirche. Für sie alle bitte ich um Gottes Segen – und euch bitte ich: lasst uns heute für sie klatschen! Amen.

Bauarbeiten am Pfarrhaus – Jo, wir schaffen das!

Manchmal fühle ich mich zurückversetzt in die Kindheit meines Sohnes. Wie gerne hat er „Bob der Baumeister“ geschaut. Egal wie schwierig es wurde, wie kompliziert die Aufgaben, und mit was für Rückschlägen zu rechnen war, der Spruch hieß immer: Können wir das schaffen? – Jo, wir schaffen das!

Los geht‘s: Städtebau-Mittel wurden bewilligt

Stadtrats-Sitzung am 7. Mai 2020

Nun ja, die erste Hürde hatten wir genommen: Städtebau-Mittel wurden bewilligt. Die Stadträte haben in ihrer Sitzung am 6. Mai übrigens einstimmig ohne Gegenstimme beschlossen, die energetische Sanierung des Pfarrhauses mit einem entsprechenden Eigenanteil zu fördern. Für das entgegen gebrachte Vertrauen und die Investition in die Zukunft bedanken wir uns ganz herzlich.

Damit hatten wir endlich Planungssicherheit und konnten zusammen mit unserem Architekten Felsberg und Bauingenieur Toni Müller endlich konkret die Sanierung angehen.

Rückschlag: Feuchtes Fundament

Der erste Rückschlag ließ nicht lange warten: Bei Probebohrungen wollten wir nach dem Auflagebalken suchen – und ob wir den vielleicht austauschen müssten. Gefunden haben wir stattdessen ein feuchtes Fundament. Die Ursache war dann auch schnell gefunden: Die Klänge vor dem Haus war nicht dicht, Regenwasser wurde an das Haus gespült und versickerte dort, anstatt abzulaufen. Wir mussten die Feuchtigkeit loswerden – nur das stand nicht im Plan, und Kosten waren dafür auch nicht vorgesehen.

Ehrenamtliche helfen – DANKE

Was tun? Wir haben mit vielen Ehrenamtlichen an zwei Wochenenden 1. den Beton in der Klänge aufgemeißelt und weitgehend per Hand ausgeschachtet.

2. wurden die Bodenplatten im Inneren aufgestemmt, so dass die nassen Wände und Fundamente abtrocknen konnten.

3. wurden die Dachrinnen neu gefasst. In den letzten Tagen wurde zusätzlich Drainage am Haus verlegt und angeschlossen sowie die Klänge wieder verfüllt und stabilisiert.

Und ganz nebenbei wurde noch der Dachboden freigeräumt. Bei dieser Aktion sind uns einige interessante Fundstücke in die Arme gefallen, die ein Fachmann jetzt auswerten muss. Und wir haben den Anbau um ein Stockwerk kürzer gemacht – vorerst.

Danke für die tolle Unterstützung

Ich bin sehr, sehr dankbar für das alles, was da bisher gelaufen ist: es hat uns weiter gebracht, in jeder Hinsicht. Danke! – für alle Hilfe, auch für die finanziellen Spritzen, die gekommen sind, seitdem wir z.B. auf Facebook davon berichtet haben.

Es werden nicht die letzten Schwierigkeiten sein, auf dem Weg zum „Neuen Pfarrhaus“, das weiß jeder, der ein über 300 Jahre altes Gebäude saniert.

Aber ich bin sicher: Mit Gottes Hilfe, einer guten Portion Mut, ein bisschen Risikobereitschaft und hoffentlich ganz viel Hilfe dürfen wir sagen:

Jo, wir schaffen das!

Open-Air-Gottesdienst für Feuerwehr, Helfer und Einsatzkräfte

„Mal angenommen, du drückst den Knopf – und alle drücken sich.“ So plakatiert die Feuerwehr in Philippstal – eine der modernsten bei den hessischen Nachbarn.

Wie wichtig Einsatzbereitschaft ist, konnten wir am 7. Mai beim Open-Air-Gottesdienst vor dem Pflegeheim erfahren. Ein Fehlalarm sorgte dafür, dass innerhalb weniger Minuten zwei Einsatzwagen der Feuerwehr und eine Drehleiter vor dem Schanzehof standen.

Für alle Feuerwehrleute und die, die in ständiger Einsatzbereitschaft sind,
um Menschen zu helfen – wie
Pflegekräfte, Ärzte, Polizisten, Ehrenamtliche und viele mehr
feiern wir am 6. September um 10 Uhr
einen Dank/Segnungs-Gottesdienst
natürlich Open-Air vor dem Pflegeheim in Tiefenort.

Großer Ansturm beim Schul-Anfangs-Gottesdienst in Tiefenort

In der kunstvoll geschmückten Kirche konnten wir am Freitagabend zum Schulanfangs-Gottesdienst 84 Erwachsene und gut begeisterte 20 Kinder zählen. Unter dem Thema „Mögen Engel dich begleiten“ erzählten Jana und Thomas Volkmann, was Engel sind und dass Engel nicht immer Flügel haben müssen. Sie machten deutlich: Engel haben eine Botschaft und einen Auftrag; sie wollen daran erinnern, dass Gott uns sieht und mitgeht. Das Lied „Mögen Engel dich begleiten“ von Jürgen Grote passte dazu sehr gut.

Anschließend wurden die Schulanfänger mit ihren Eltern und die Schülerinnen und Schüler der höheren Klassen eingesegnet und bekamen einen Schutz-Engel-Anhänger geschenkt. Mit dabei waren auch die Konfirmanden des Jahrgangs 2020, die am 13. September konfirmiert werden – sie gaben ihre Ausarbeitungen zur Konfirmanden-Prüfung ab.

Der Gottesdienst hat nicht nur den Akteuren sichtbar Spaß gemacht, er fand auch großen Anklang bei den Besuchern, wie viele Gespräche vor der Kirche zeigten. Dort wurden auch die ersten Absprachen getroffen, wie es mit der Christenlehre (kitie’s kids) und dem neuen Konfirmanden-Kurs weitergeht.

Abendgottesdienst: Wie viel Wahrheit verträgt man?

Von wahren und falschen Propheten – Amos und seine harte Wahrheit

In der Reihe der Abendgottesdienste des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach war Christian Guth, ordinierter Gemeindepädagoge aus Emphertshausen, bei uns zu Gast in Tiefenort, um über „Heil und Unheil – die Botschaft der kleinen Propheten“ zu predigen. Wie ist das mit der Wahrheit, fragte Christian Guth die Besucher. Wieviel verträgt man – oder tut man sie als „falsch“ ab? Wer sind die wahren Propheten damals wie heute? Ich habe Christian Guth gebeten, die Predigt hier wiedergeben zu dürfen.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von der Band „Annjual Acoustics“ aus Unteralba und Kreiskantor Hartmut Meinhardt.

Hier die Predigt in vollem Wortlaut:

Vorrausgegangen sind: Gebet mit Psalm 121 und Lesung aus der Ordnung des Johannestages aus Jesaja 40.1.ff.

Friede sei mit euch!

Der Fingerzeig Gottes

Christus hängt am Kreuz. Qualvoll verkrümmt vom Todeskampf ist seine Haut blass und blutleer. Links auf dem Bild steht die Gottesmutter Maria. Sie scheint vor Herzensqual bewusstlos zu werden. Der ihr anvertraute Lieblingsjünger hält sie. Auch ihm ist unerträglicher Schmerz ins Gesicht gezeichnet. Rechts auf dem Bild steht mit beinahe unbeeindruckten Gesichtsausdruck Johannes der Täufer. Manche sagen über ihn, er sei der letzte Prophet, weil er auf Gottes großes, ultimatives/endgültiges Erlösungswerk hinweist: „Jener muss wachsen, ich aber kann zurücktreten.“ Joh 3.30 (Übers. Perspek. d. Kunst)
Genau dieser Spruch steht auf dem Isenheimer Altar, über den ich gerade spreche. Ganz deutlich zeigt der Finger des Johannes auf Jesus. So, als wenn er sagen will: Schaut her. Das tut Gott für euch – er gibt das liebste, was er hat.

Als ich sehr lange darüber nachdachte, worüber ich heute Abend reden will, musste ich immer wieder an den Isenheimer Altar und diese eindrückliche Geste denken: Der Fingerzeig des Johannes.

Dieser Fingerzeig erscheint mir so typisch prophetisch: Propheten zeigen uns deutlich, was Gott von uns fordert und was er schenkt.

Das sind Propheten: Sie erhalten von Gott den Auftrag seine Wahrheit in der Welt zu verkünden.

Das sind Propheten: Sie erhalten von Gott den Auftrag seine Wahrheit in der Welt zu verkünden. Was sie prophezeien will kaum einer hören – unangenehm sind die Wahrheiten Gottes. Propheten, die reden, was wir gern hören sind falsche Propheten.

Wie das so ist, wenn jemand redet, was wahr ist und was doch keiner hören mag – wie dann Wut, Verachtung und vulgärer Spott abgelassen werden, das kann man bei Greta Thunberg beobachten. Ich weiß – sie hat mit Religion erst einmal nichts zu tun und es passt nicht zu behaupten, sie sei eine Prophetin. Trotzdem musste ich beim Isenheimer Altar an sie denken: So wie Johannes der Täufer mit dem Finger auf die wirkliche Wahrheit Gottes zeigt (Jesus Christus), so zeigt Greta Thunberg auf das, was Naturwissenschaftler schwarz auf weiß bewiesen haben. Und wird doch so oft verachtet.

Wie sehr Wahrheit verachtet wird – darüber spreche ich gerade deshalb, weil ein großes Problem unserer Zeit ist, dass Menschen sich ihre Wahrheit zusammensuchen, sich in sozialen Medien in Filterblasen begeben und kaum andere Meinungen kennen oder diese bloß verspotten. Für die aufgeklärte Wahrheit ist das der Tod.

Amos streitet im Auftrag Gottes für Gerechtigkeit

Dabei ist die Wahrheit nicht selten so offensichtlich: Es geht eigentlich um Amos. Der nämlich streitet im Auftrag Gottes für Gerechtigkeit. Die Probleme liegen zur Zeit Amos‘ offensichtlich: Von den Armen nehmen die Reichen zu hohe Abgaben und bauen damit ihre eigenen Paläste. Menschen werden wie Vieh als Knechte für billig Geld verschachert. Von den Armen nehmen die Mächtigen alles und behalten es für sich. Und Arme – anders als heute – gab es damals jede Menge, denn oft wurde in einer Familie das Land unter allen Söhnen geteilt und nach wenigen Generationen warf es nicht mehr genug ab, um davon zu leben. Die Parzellen waren dann zu klein. Das große Gefälle zwischen denen, die hungern, zu dehnen, die sich fett fressen verbindet Amos mit unserer Zeit. Hinzu kommt bei uns noch die Sorge darum, wie künftige Generationen auf dieser Erde leben sollen.

Einige Verse aus dem Buch Amos scheinen ein Ruf genau in unsere Zeit und unsere Welt zu sein: So beispielsweise musste ich an die unbelehrbaren Leugner des Klimawandels denken, wenn es in Amos 3 heißt „Und es zogen zwei, drei Städte zu einer Stadt, um Wasser zu trinken, und konnten nicht genug finden; dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir, spricht der HERR. Ich plagte euch mit dürrer Zeit und mit Getreidebrand; […]; dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir, spricht der HERR.“ An die Verachtung, die jenen entgegenschlägt, die Tatsachen und Wahrheit sachlich einbringen und Gerechtigkeit erstreben musste ich in Amos 5 denken, wenn ich lese „Sie hassen den, der im Tor Recht spricht, und verabscheuen den, der die Wahrheit sagt.“ Die Schar der etablierten, sich in der Zeit des Amos bereichernden Oberschicht erträgt die beißende Kritik des Amos kaum: Zueinander sprechen sie „das Land kann seine Worte nicht ertragen.“

Gott hat es – endgültig – satt

Doch Gott hat die Lüge, Verleugnung und die Verachtung der Menschen endgültig satt. Endgültig.

Im Laufe der wenigen Kapitel des Buches steigert sich der Zorn über den verbohrten Widerwillen seines Volkes: „Vielleicht wird der Herr, […] gnädig sein“ spricht Amos — „Vielleicht!“ [Es ist nicht das ferne Echo von Kritik, die Amos verkündet. Wer ihn liest, der sieht: Amos scheint neben uns zu stehen und sein Wort gilt uns.]

Ein Satz steht zweimal im Buch Amos. Einer!: Zweimal spricht Gott über sein Volk: „Ich will nicht mehr an ihm vorübergehen!“ Nein, Gott will nicht mehr Gnade walten lassen und es gut sein lassen. Nein, er wird sich ihm im Zorn zuwenden, er hat es endgültig satt!

Für uns in der christlichen Hoffnung absolut bestürzend ist das Resümee von Amos: „Ist nicht des HERRN Tag finster und nicht licht, dunkel und nicht hell?“ Ist es nicht das stärkste Bild unseres Glaubens, das Bild vom Licht? Zünden wir nicht bei jeder Taufe eine Kerze an, weil wir wissen, dass bei Gott das helle, das lichte ist und wir erkennen: Christus ist das Licht der Welt? Genießen wir im Advent nicht die wundervollen Verse von Jesaja in denen er prophezeit: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“? – Und dann schreibt Amos: „Ist nicht des HERRN Tag finster und nicht licht, dunkel und nicht hell?“ – was soll denn noch werden, wenn bei Gott nicht mehr das Licht ist? Wenn die Hoffnung Tot ist?

Es droht Unheil, und wer das Leugnet soll durch das Schwert sterben. Das sage nicht ich, das steht auch bei Amos.

Tragt Verantwortung für das, was ihr tut! (Hans Jonas)

1979 schrieb der deutsch-amerikanische Philosoph Hans Jonas ein Buch in dem er auf vielen Seite eine Anforderung an die Menschheit entfaltet. Eine Anforderung an die Menschheit, damit sie leben kann und nicht im Unheil umkommt. Eine Anforderung, damit unsere Kinder und Kindeskinder leben können und nicht im Unheil umkommen: Tragt Verantwortung für das, was ihr tut! Wenn wir und kommende Generationen auf dieser Erde gut leben wollen, dann sollen wir – so Hans Jonas – bei jeder Entscheidung immer mitbedenken, wie unser Tun und Lassen sich auf die Zukunft kommender Generationen auswirkt. Und das tun wir nicht. Rund vierzig Jahre später erinnern uns freitags für Klimagerechtigkeit protestierende Jugendliche daran, dass wir das nicht tun.

Die wirken so radikal, diese Jugendlichen. Doch wenn man genauer liest, was seriöse Naturwissenschaftler schreiben dann sieht man: Es ist nicht radikal. Es ist dringend notwendig, was sie fordern. Was wir tun, ist radikal falsch!

Ich muss gerade an den Satz denken, „Es droht Unheil, und wer das Leugnet soll durch das Schwert sterben.“ Es fühlt sich bei uns nicht so an, aber es muss dringend etwas geschehen. Viele Fragen in dieser Zeit von Corona ‚Wann wird denn endlich wieder alles normal!‘ – Was ist denn normal? Vielleicht ist Corona der Teil des Unheils das uns nun auch ereilt, wo doch in anderen Ländern schon Strände im Plastikmüll versinken, sich Menschen in alten Industrieanlagen zur Verwertung unseres giftigen Mülls die Lungen vergiften und die Lüge bis in die höchsten politischen Etagen aufsteigt? Soll das Normal sein? Ereilt uns nun das Unheil, das woanders längst ist?

Unheil, wie Amos es kommen sah. Er wusste, dass Gott an seinem Volk nicht mehr vorrübergehen wird.

Sie merken schon wie die Worte des Philosophen Hans Jonas von eben fast untergehen in der ständigen Hoffnungsferne dieser Welt. Ich lese sie deshalb nochmal: „Wenn wir und kommenden Generationen auf dieser Erde gut leben wollen, dann sollen wir – so Hans Jonas – bei jeder Entscheidung immer mitbedenken, wie unser Tun und Lassen sich auf die Zukunft kommender Generationen auswirkt.“

Das klingt gar nicht so schwer. Es gibt doch viele Vorschläge, wie das gelingen könnte. Ich kann das gar nicht alles nennen, so viele gute und reiflich überlegte Vorschläge gibt es, damit wir verantwortungsvoll leben können.

Lösungen finden, um verantwortungsvoll leben zu können

Und dann lese ich im Buch Amos, ganz am Ende:

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man zugleich ackern und ernten, zugleich keltern und säen wird. Und die Berge werden von Most triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein. 14 Ich will die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden, dass sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, dass sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen. 15 Ich will sie in ihr Land pflanzen, dass sie nicht mehr aus ihrem Lande ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der HERR, dein Gott.“ Am 9.13ff

Ich bin sehr dankbar, dass das ganz am Ende steht. Es tut gut das zu lesen und ich bin gewiss, dass das Heil, das Gott uns schenkt, eine spürbare Wirklichkeit ist und eine noch größere Wirklichkeit werden wird. In der großen Frage von Heil und Unheil – ob uns Heil oder ob uns Unheil droht, bin ich als Christ vollkommen überzeugt, dass uns Heil widerfahren wird in Gottes Reich. Und ich bin ebenso überzeugt davon, dass diese Verheißung auch unseren Kindern und Kindeskindern gilt.

Aber ich komme nicht um folgende, letzte Frage umhin: Wie verloren im Unheil werden unsere Kinder und Kindeskinder auf dieser Erde sein, wenn wir sie weiter so zerstören?

Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als all unsere Vernunft, bewahre uns Herz und Verstand. Amen.

Radwegekirche in Erprobungsphase geöffnet

Die Radfahrer können kommen: denn die Peterskirche in Tiefenort ist ab sofort deutlich als Radwegekirche zu erkennen: Gestern wurden Fahrradständer, sogenannte Anlehnbügel, die eigens für die Kirche von Schmiedemeister Stefan Hill hergestellt und angepasst wurden, aufgestellt und einbetoniert.

„Wir sind mitten drin in einer Erprobungsphase“, sagt Pfr. Thomas Volkmann. „Obwohl wir die Radwege-Kirche noch nicht mit Gottesdienst offiziell eingeweiht haben, können sich Radfahrer und Gäste schon jetzt über eine offene Kirche freuen.“ Der Eröffnungsgottesdienst sollte ursprünglich am 19. April stattfinden, musste aber wegen Corona um ein Jahr verschoben werden. Für die Radwegekirche wurden extra neue Schlüssel angefertigt, ein Schließ-Dienst mit Ehrenamtlichen eingerichtet, neue Technik eingerichtet – die bereits jetzt bei verschiedenen Einsätzen als mobile Kirche vor den Pflegeheimen im Einsatz war. Auch ein Festzelt wurde angeschafft – das dann wohl erst im nächsten Jahr zum Einsatz kommt.

„Wir sehen, dass das Konzept der Radwegekirche gut angenommen wird,“ erzählt Pfr. Thomas Volkmann von den positiven Erfahrungen der letzten vier Wochen der Erprobungsphase, „und freuen uns weiterhin über viele Gäste!“