Kaum zu glauben, aber wahr – Thema des online-Gottesdienstes am Sonntag Quasimodogeniti

Kaum zu glauben, aber wahr: das ist das Thema des online-Gottesdienstes am Sonntag Quasimodogeniti. Es stellt die Grundfrage: Was können wir überhaupt noch glauben, angesichts vieler Nachrichten und Meinnungen, und wem kann ich glauben? Wie oft können wir etwas nicht wirklich glauben, weil es nicht in unseren Erfahrungshorizont passt? „Wir brauchen das: ein Stück Hoffnung, ein Stück Vergewisserung. Wie es weitergehen soll. Wie alle Zweifel überwunden werden können“, sagt Pfr. Thomas Volkmann in seiner Ankündigung zum Gottesdienst, der den Gottesdienst zusammen mit Kreiskantor Hartmut Meinhardt an der Orgel, mit Erika Drescher, Lektorin aus Tiefenort und Christina Hopstock, Lektorin aus Bad Salzungen hält.

„Die Vorüberlegungen und die Grundidee zum Gottesdienst aber kommt aus vielen Gesprächen mit Kirchenältesten, Bekannten und Konfirmanden aus Tiefenort, Langenfeld und Bad Salzungen“, macht er deutlich, „und natürlich geht es dahinter um die Grundfrage, die uns alle umtreibt: Was ist eigentlich kaum zu glauben, aber wahr?“

Der Jünger Jesu, Thomas, der sprichwörtlich Ungläubige, habe seine Lektion gelernt, sagt Volkmann in seiner Predigt. Er konnte schließlich der Realität ins Auge sehen, den Wahrheitsgehalt überprüfen, live und in Farbe. Er konnte Jesus anfassen, begreifen, mit ihm sprechen, ihn umarmen, ihm dankbar vor die Füße fallen und ihn um Vergebung bitten für seine vorlauten, vorschnellen „Unmöglichkeits-Behauptungen“.

Uns jedoch fehlt diese Möglichkeit und jene „Erfahrung“, so dass nur unser Glaube bleibt, um das scheinbar „Unmögliche“ einzuordnen. „Genau das wusste auch Jesus,“ sagt Pfr. Volkmann. „Er kennt unsere Zweifel, legt den Finger auf meine Wunden: „Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Der Gottesdienst ist über den Link auch später noch abrufbar.

Mit Osterkörbchen Oster-Hoffnung gebracht

Ganz viel Freude bereiteten Pfr. Thomas Volkmann und seine Kirchenältesten heute den Christenlehre-Kindern und Konfirmanden aus Tiefenort. Anfang der Woche haben Kirchenälteste in einer gemeinsamen Aktion Osterkörbchen gebastelt – natürlich mit ganz viel Abstand zueinander gefertigt. Am Gründonnerstag wurden die Körbchen dann verteilt, an den Häusern geklingelt und überreicht.

An den Osterkörbchen hing eine Osterbotschaft, die deutlich machte: „Du bist nicht vergessen, auch wenn gerade keine Christenlehre oder Konfirmandenstunde stattfinden kann.“ „Ostern erzählt vom Fest der Hoffnung, vom neuen Leben, das möglich sein wird,“ ergänzt Pfr. Thomas Volkmann. „Die Karte macht deutlich: ‚Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden‘. Das soll gefeiert werden, auch wenn das dieses Jahr vielleicht ganz anders passiert.“

Viele Familien waren von dieser Aktion positiv überrascht und haben sich über die Aufmerksamkeit riesig gefreut. Dabei wurde klar: Für viele ist die Situation nicht einfach: Die Kinder zu Hause, die Eltern im Homeoffice oder sogar selbst auf Arbeit, und Spielen und Treffen mit anderen ist nicht so einfach. „Wir wollten deutlich machen: Ostern fällt nicht aus!, verbunden mit dem Signal: Wir sind für Euch da.“

Ein Ständchen zum Mitsingen und Mitbeten

Haus- und Hof-Andachten

Wie erreichen wir gerade die älteren Menschen, wie können wir deutlich machen, dass wir sie als Kirche und Gemeinde nicht alleine lassen? Wie können wir zeigen, dass wir zusammenstehen?

Im Pflegezentrum Schanzehof in Tiefenort gilt seit dem 15. März stricktes Besuchsverbot. Aber ein Ständchen vor der Tür ist möglich, natürlich mit viel Abstand.

Genau das haben wir am 1. April „veranstaltet“: ein Ständchen. Eine gute Stunde Musik, Lieder, was zum mitsingen und Psalmen und Gebete zum mitsprechen, ein paar gute Gedanken und der Dank an alle, die gerade anderen dienen.

Viele Bewohner standen nicht nur auf den Balkonen oder an den geöffneten Fenstern, auch viele Menschen aus dem Dorf hörten und beteten – Abstand wahrend – mit. Anschließende Gespräche machten deutlich: Es war eine gute Idee, und fand viel Anklang. Für mich war es eine Möglichkeit, anderen eine Freude zu machen mit dem, was ich tun kann.

Heiko Matz danke ich für das tolle Bild, das dabei entstanden ist – und Herrn König für die Möglichkeit, die sich spontan im Gespräch plötzlich offenbarte…

Glocken läuten um 21 Uhr zum Gebet

Sichtbar und hörbar ein Zeichen setzen mitten in der Krise

In den Kirchengemeinden Tiefenort und Langenfeld läuten seit heute abend auf vielfachen Wunsch um 21 Uhr die Glocken zum Gebet. „Wir möchten damit ein Zeichen der Verbundenheit setzen“, sagt Pfr. Thomas Volkmann. „Mitten in der Krise stehen wir zusammen, und sind im Gebet vereint. Beten wir gemeinsam für die Kranken, für uns und für all das, was uns in dieser Zeit Sorgen macht.“

Bereits seit  einigen Tagen wird in zahlreichen Gemeinden in ganz Deutschland und darüber hinaus täglich um 21 Uhr mit Glockengeläut für fünf Minuten zum gemeinsamen Gebet in der aktuellen Krisenzeit aufgerufen. Gleichzeitig sind alle eingeladen, eine brennende Kerze ins Fenster zu stellen, um diese große Gebetsgemeinschaft sichtbar zu machen.

Der Mensch denkt – aber Gott lenkt

Eine Andacht zum Tagesvers der Bibelapp YouVersion vom 25.03.20

Als ich heute morgen beim Zahnarzt sitze und auf meinen Termin noch warte, nehme ich mir das Handy heraus und stöbere durch Losungen, Tageslese und meine Bibel-Apps. Das ist gewöhnlich meine Reihenfolge, mit der Bibel, mit Gottes Wort gut in Kontakt zu sein. Und wie schon in der letzten Woche hat mich ein Vers/ Abschnitt aus den Sprüchen Salomos Kapitel 16 heute ganz besonders angesprochen:

Aus den Sprüchen Salomos Kapitel 16

1 Der Mensch denkt über vieles nach und macht seine Pläne, das letzte Wort aber hat der HERR. 2 Der Mensch hält sein Handeln für richtig, aber der HERR prüft seine Beweggründe. 3 Vertraue dem HERRN deine Pläne an, er wird dir Gelingen schenken. 4 Der HERR sorgt dafür, dass jeden das Los trifft, das er verdient – auch für den Gottlosen kommt der Tag des Verderbens. 5 Der HERR verabscheut die Hochmütigen. Du kannst sicher sein: Keiner entkommt seiner Strafe! 6 Wer dem HERRN treu ist und Liebe übt, dem wird die Schuld vergeben; und wer Ehrfurcht vor dem HERRN hat, der meidet das Böse. 7 Wenn dein Handeln dem HERRN gefällt, bewegt er sogar deine Feinde dazu, mit dir Frieden zu schließen. 8 Besser wenig Besitz, der ehrlich verdient ist, als großer Reichtum, durch Betrug erschlichen. 9 Der Mensch plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seine Schritte.

Der Mensch plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seine Schritte. Der Mensch denkt, Gott lenkt, so auf den Punkt gebracht. Und schon fühle mich ich ertappt. Da grüble und denke ich Tag und Nacht, was werden soll in dieser Zeit, in dieser Situation, wälze mich hin und her, kann die halbe Nacht nicht schlafen, komme immer wieder auf eine neue Idee, die ich aufschreiben muss. Ob ich der Lösung näher gekommen bin?

Wir halten uns ja für unverbesserlich, oder besser gesagt: wir halten unser Handeln meistens für richtig. Der Mensch denkt – wir sind schließlich ein vernunftbegabtes Wesen, möchte man meinen. Ja, wir planen voraus – meistens jedenfalls. Aber dann kommt es anders, als man denkt. Corona hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Kinder zu Hause, Kontakt-Verbot, andere müssen ihr Geschäft schließen und wissen nicht, wie es weiter gehen soll. In Zeiten von Corona merke ich, wie angespannt manche Menschen sind. Die Sicherheit fehlt. Und wir haben es nicht in der Hand. Ist alles richtig, was wir machen? Nicht nur im Hinblick auf uns ganz persönlich – sondern auch im Miteinander und in Verantwortung vor Gott? Wir können noch so viel grübeln, im Augenblick können wir nur auf Sicht fahren, wie es so schön heißt.

Die Gespräche, die ich in den letzten Tagen führen konnte, zeigen noch eine andere Dimension. Menschen fangen wieder an zu beten. Sie tun dabei schon alles, was in ihrer Macht liegt, um die Situationen zu bewältigen, vor denen sie stehen. „Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.“ Statt krampfhaft selbst nach einer Lösung zu suchen und daran zu verzweifeln, lassen gläubige Menschen ganz bewusst einen Moment los und befehlen Gott die Sache im Gebet an. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wirds wohlmachen, heißt es in Psalm 37,5, und Paul Gerhard hat dazu – übrigens mitten in Pest-Zeiten des 30-jährigen Krieges – ein wunderbares Lied gedichtet.

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. (EG 361.1)

Lasst uns daher mit dem Theologen Reinhold Niebuhr beten:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Was ist das wichtigste? Über die Zeit zum Nachdenken…

Im Evangelium nach Markus 12, 28-34 (Bibel: Hoffnung für alle) lesen wir heute (20.3.2020) in der sogenannten fortlaufenden Bibellese:
28 Ein Schriftgelehrter hatte zugehört und war von der Antwort beeindruckt, die Jesus den Sadduzäern gegeben hatte. Deshalb fragte er ihn: »Welches von allen Geboten Gottes ist das wichtigste?« 29 Jesus antwortete: »Dies ist das wichtigste Gebot: Hört, ihr Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. 30 Ihn sollt ihr von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft. 31 Ebenso wichtig ist das andere Gebot: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.«

32 Darauf meinte der Schriftgelehrte: »Lehrer, du hast Recht. Es gibt nur einen Gott und keinen anderen neben ihm. 33 Ihn sollen wir lieben von ganzem Herzen, mit unserem ganzen Verstand, mit ganzer Hingabe und mit aller Kraft. Und auch unsere Mitmenschen sollen wir so lieben wie uns selbst. Das ist mehr als alle Opfer, die wir Gott bringen könnten.« 34 Jesus erkannte, dass dieser Mann ihn verstanden hatte. Deshalb sagte er zu ihm: »Du bist nicht weit von Gottes neuer Welt entfernt.« Danach wagte niemand mehr, Jesus weitere Fragen zu stellen.

Was ist wichtig, was nicht? Diese Frage stellt sich im Augenblick vielen angesichts der Corona-Krise. Das Land fährt herunter – shut down. Immer schärfer werden die Verordnungen; Geschäfte schließen zwangsweise, andere haben nichts mehr zu bieten, weil so manche nicht nur vor-sorgen, sondern schlichtweg raffen und hamstern. So kommt es zu Notständen – selbst in einem so reichen Land wie Deutschland. Die Angst geht um, nicht nur um die Ansteckung mit dem Virus, sondern vielmehr die Angst, ob ich genug Essen im Kühlschrank habe und genug Toilettenpapier. Für andere ist das die pure Existenzangst – keinen Job mehr zu haben.

Viele müssen zu Hause bleiben: Zwangsurlaub, weil Geschäfte und Betriebe schließen, Schulen und Kindergärten zu sind, wir keine Betreuung haben. Es sind vor allem die kleinen Leute, die sich Sorgen machen, und um die ich mir Sorgen machen.

Verordnete Fastenzeit, so hat es unser Landesbischof Friedrich Kramer am 15.3. in seinem Radiogottesdienst gesagt. Zeit, selbst etwas herunter zu fahren. Zeit, ins Nachdenken zu kommen. Muss ich immer alles haben, was ich sehe? Ist das alles wirklich wichtig?

Fahren wir einfach mal runter. Schalten wir das Internet ab – spare ich mir die vielen Nachrichten, die mir Angst machen. Ok, für manche wird das schwierig. Sie wollen verbunden sein – so am Leben der anderen teilhaben. Ist das ein Drang, eine Sucht? Können wir auch ohne Technik, aber viel direkter miteinander? Und gibt es da nicht noch viel mehr, was mein Leben reich macht, bereichern könnte – was ich bisher vor Hektik einfach übersehen habe?

Was ist wichtig – in meinem Leben, was nicht? Schaue ich nur nach rechts oder links, oder auch nach oben in dieser Zeit? Woher nehme ich Zuversicht und Hoffnung?

Gläubige Menschen vertrauen auch in der Krise auf Gott, von dem sie alles erwarten. Psalm 121 bringt das im ersten Satz auf den Punkt: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Jesus selbst wird gefragt: „Was ist das höchste Gebot?“ Und er antwortet: Mk 10: „Dies ist das wichtigste Gebot: Hört, ihr Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. 30 Ihn sollt ihr von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft. 31 Ebenso wichtig ist das andere Gebot: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.“

Jesus antwortet mit dem Doppelgebot der Liebe. Das ist im Kern das ganze Christentum, die ganze Grundlage. Gott lieben – und den Nächsten – und sich selbst. Ein Drehkreis, wie ein Motor mit drei Polen. Ich nenne es auch das theologische Dreieck. Ohne die drei Pole wird unser Leben eben nicht rund laufen. Wenn ich nur an mich selbst denke – wird mein Leben ebenso stottern wie wenn ich mich beim Nächsten verausgabe.

Erst wenn ich zur Ruhe komme und mich öffne, entdecke ich die Kraftquelle, die mich füllt. Gott füllt mich und schätzt mich wert – damit ich den Nächsten genau so wert-schätzen kann.

Von Gott her denken lässt mich auch erkennen, was jetzt wichtig ist: Wir haben Verantwortung füreinander.

Das heißt: dem Virus keine Chance zur Verbreitung geben, sich und andere nicht anstecken und nicht zum Überträger zu werden: zum Schutz der Schwachen also Rücksicht und Verzicht üben. Und zugleich auf die schauen, die Hilfe nötig haben und mit ihnen im Gespräch, im Austausch bleiben: am besten telefonisch. Dann kann Hilfe auch ganz konkret aussehen: füreinander sorgen, dass das Lebens-Not-wendige da ist.

Das heißt für mich zugleich, das theologische Dreieck neu zu durchdenken: Das, was Gott mir gibt und zugesteht, auch den anderen (und zwar allen anderen) zuzugestehen.

Deshalb könnte man angesichts vom lock down ganz grundsätzlich neu und anders denken: Wenn wir unsere Selbstverständlichkeiten „abschalten“ können, um Menschenleben zu retten, können wir das, nämlich Menschenleben retten, nicht auch angesichts der globalen Krise und denen helfen, die betroffen sind von Hunger und Dürre, von Wasserknappheit und Überschwemmungen? Muss sich nicht unsere Produktlandschaft, unsere Art zu wirtschaften und einzukaufen, ändern, damit Krisen abgemildert und gar verhindert werden und die Welt ein wenig gerechter wird?

Wir haben angesichts des Stillstands dazu die ultimative Chance, genau das einzuüben. Fragen wir uns, was für uns wirklich wichtig ist – und wie wir das Doppelgebot des Glaubens in unserem Leben gut umsetzen können. Nutzen wir die Chance dieser Fastenzeit.

Folge mir nach! – Entscheidung mit Konsequenzen

Predigt am Sonntag Okuli

Predigt zum Evangelium des Sonntags aus Lukas 9,57-62 von Pfr. Thomas Volkmann

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach!
Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Liebe Gemeinde,

da lieferte sich sich Jens und Axel letztens auf der A4 zwischen Eisenach und Wutha Farnroda mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd. Ihr getunter Polo hatte die Aufmerksamkeit einer Streife erlangt. War er zu laut? War er zu schnell? Hatten sie etwa getrunken? Jedenfalls versuchte Jens und Axel alles, um die Polizei abzuschütteln. Schnell informierten sie ihre Kollegen. Das ganze fand ein wildes Ende, als der Polo von Polizeikräften eingekeilt war und der vordere Wagen mit einem „bitte folgen“ zwischen wütend blinkenden Blaulichtern den Polo von der Bühne geleitete.

Verfolgt von der Polizei – Bitte folgen ist da keine Bitte mehr. Was wohl die Verfolgten und Vertriebenen denken müssen, wenn vor ihnen Männer in voller Schutzausrüstung mit vorgehaltenem Schnellfeuergewehr ihr „Nicht-Willkommen“ in der eigenen Wohnung deutlich machen: Raus hier, aber schnell – und nicht: bitte folgen. Nicht immer gibt es freundliche Einsatzkommandos, die dazu noch an die Tür klopfen. Gewalt ist an der Tagesordnung, die Bedrohung kommt schleichend, plötzlich, unerwartet, von oben.

Mitläufer, sagt man, wenn Menschen jemand anderem oder einer politischen Idee hinterherlaufen. Ob gewaltverherrlichend oder nicht, Parolen rufend oder Fahnen schenkend, Mitläufer zu sein hat die Konnotation, sich eine Sache zu eigen zu machen, ohne über die Sache und ihre Konsequenzen genauer nachzudenken. Fasziniert und angetan, verzaubert und beeinflusst, im schlimmsten Sinne manipuliert machen sich andere dies zu Nutzen. Die Geschichte ist voll davon. Und Menschen suchen offensichtlich nach Messias-Figuren, nach Welt-Herrschern, nach Heilsgestalten und starken Männern, die für sie die Welt retten sollen, denen sie sich anschließend können. Nur: Die Masche mit der Propaganda – die Schleich-Werbung, ist heute noch viel raffinierter in der Beeinflussung und nennt sich schlicht Meinungs-Mache. Und dagegen gibt es berechtigte Vorbehalte, manche historisch gewachsen. Mit einem „Folge mir nach“ ist es eben nicht getan.

An Ausreden mangelt es uns nicht. Da kann ja jeder so kommen. Ich hab jetzt keine Zeit dafür, frag mich nächste Woche, nächstes Jahr. Ne, damit kann ich überhaupt nichts anfangen, ich beschäftige mich mit so nem Kram nicht. Lass mich mit deiner Spiritualität in Ruhe. Von dir lass ich mir doch nichts aufschwatzen.

Folge mir nach. Das ist Jesu Ruf in die Umkehr. Das ist Jesu Ruf hin zu Gott. Immer näher zu dir – immer mehr von dir, darum soll es gehen, nicht nur in unseren Liedern, auch in unseren Gebeten, vor allem aber in unserem Leben. Aber wir haben eben auch immer unsere Gründe, weshalb es gerade nicht passt. Weil wir jeder in einer Lebens-Situation steht, in Bedingungs-Gefügen. Weil das nicht so einfach ist, das alte Leben einfach so hinter sich zu lassen, neu anzufangen. Aber ist es nicht das, wozu Jesus Nikodemus aufruft: die Wieder-Geburt, den Neuanfang?

Doch dabei sind wir gefangen von dem, was war, träumen von Goldenen Zeiten, als noch galt, woran wir glaubten. Wir träumen, rosarot verklärt und geschönt, von den guten alten Zeiten, als wir noch was hatten, was galten… den großen Versuchungen dieser Zeit erlagen – das Thema zieht sich durch die ganze Fastenzeit. Wir lassen uns viel lieber blenden und vereinnahmen von schönen Worten, tollen Versprechen und ganz anderen Dingen – und kommen weiter ab vom Ziel, wie Matthias Claudius im „Lied vom Mond“ so treffend dichtet.

Dem Dritten in unserem Bibeltext Lk 9 sagt er sinngemäß: „Wer ständig in den Rückspiegel schaut, wird in der nächsten Kurve gegen den Baum fahren.“ Die Vergangenheit ist ein starkes Band, das lähmt und einen mehr hindert, ganz frei, ganz neu zu entscheiden, was jetzt dran ist. Der Blick zurück raubt uns alle Konzentration und verstellt uns zugleich den Blick nach vorne, nach dem, was sein soll, werden soll – mit uns, mit dieser Welt.

„Folge mir nach“ – das ist der Ruf in eine Entscheidung, der Ruf in den Dienst, für die Sache Jesu einzutreten, sich die Sache Jesu zu eigen zu machen, Gottes Liebe nachzueifern und selbst ein Stück davon zu erhaschen und zu geben.

Ich kenne Menschen, die dafür eine „Lebens-Wende“ hingelegt haben: die raus sind aus so manchem, was sie gefangen gehalten hat, um neu anzufangen, sich in den Dienst zu stellen und überzeugt davon sind: es war genau das richtige. Die erlebt haben, dass sie anders, freier, ungezwungener leben und reden können. Die zu sich und zu Gott gefunden haben. Die nicht anderen oder anderem hinterherlaufen, sondern standhaft für christliche Positionen eintreten. Dafür haben manche sogar ihren alten Job aufgegeben: Elektriker, Maurer, Tischler und Zimmerer, Krankenschwestern, Ärzte und Organisten. Ich kenne Bäckermeister und Unternehmensberater und manch andere „Spät-Berufene“, die noch einmal von vorne angefangen haben – weil es ihnen die Sache wert war.

Als Pfarrer, als Mitarbeitende im Verkündigungsdienst und als Gemeinde sind wir berufen, Menschen in die Umkehr und in die Nachfolge zu rufen. Auch mit unserem Leben. Indem wir Menschen auf ihrer Spirituellen Suche begleiten. Indem wir ausbilden und andere fit machen im Glauben. Indem wir persönlich Kontakt suchen und auf Menschen zugehen. Indem wir in Situationen, wo Menschen sich öffnen, offen sind für die Fragen des Lebens, sie begleiten und Zuspruch, Orientierung geben. Welche Impulse brauchen wir, damit wir gut und gerne dem Ruf Jesu folgen, ihm nachfolgen im immer mehr von ihm und immer näher zu ihm hin? Und damit wir in andere die Nachfolge rufen können? Amen.

Keine Gottesdienste und Veranstaltungen aufgrund der aktuellen Lage

Aufgrund der aktuellen Lage müssen wir alle Gottesdienste und Veranstaltungen – vorerst
bis zum Sonntag Misericordias Domini, 26. April – absagen. Ab 3. Mai sollen dann wieder Gottesdienste im kleinen Kreis (30 Personen) (Stand 19.4.)
möglich sein. Wir informieren Sie rechtzeitig…

Das betrifft alle Gottesdienste,
ebenso den Hospiz-Abend am 17. März in Tiefenort
die Bibelwoche ab dem 23. März für Tiefenort und ab dem 30. März in Langenfeld
sowie alle regelmäßigen Gruppen und Kreise (Christenlehre, Chor, Konfirmanden und Seniorenkreise) in unseren Kirchengemeinden.

Auch die Eröffnung der Radwegekirche in Tiefenort am 19. April mit zu erwartenden über 100 Gästen kann so nicht stattfinden und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Nach aktuellem Stand (19.4.) sind die Termine für die Jubelkonfirmationen so nicht zu halten und werden im Herbst nachgeholt. Ebenso ist die Konfirmation in Absprache mit den Konfirmanden und ihren Eltern auf den 13. September 2020 – 14 Uhr verlegt.

Wir folgen damit der Empfehlung unserer Landeskirche und den Auflagen des Wartburgkreises. Wir sehen uns mit in der Verantwortung, den Coronavirus einzudämmen und Ansteckungen zu vermeiden.

Nach einer Verordnung der Gesundheitsbehörde des Wartburgkreises müssten unsere Veranstaltungen hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen (Registrierung aller persönlichen Daten der Teilnehmenden, Desinkfektionsmittel etc.), die wir nicht leisten können. Das Risiko, dass Infektionen durch unsere Veranstaltungen entstehen, können wir derzeit nicht tragen. Bestattungen sind die einzige Ausnahme. Soweit sie nicht verschiebbar sind, sollen sie mit kleiner Teilnehmerzahl gehalten werden.

Wer seelsorgerlichen Beistand braucht, kann telefonische Seelsorge unter Tel: 03695-6899552 von Pfr. Thomas Volkmann in Anspruch nehmen.

Sie können gerne die aktuelle Predigt zum Sonntag Okuli (15.3.) nachlesen:
http://kitie.de/folge-mir-nach-entscheidung-mit-konsequenzen/

Großartige Bauwerke aus kleinen Steinen

Legotag in Tiefenort machte riesigen Spaß

Es waren wohl mehr als 100 kg Legosteine, die am Samstag zum LEGO-Tag in der evangelischen Kirchengemeinde Tiefenort zum Einsatz kamen. „Bau die Stadt deiner Träume“, hieß es für gut 25 junge Menschen, die zum kreativen Basteln in den Gemeinderaum gekommen waren. Über 100.000 Steine lagen bereit, um verbaut zu werden. Und das war für die acht- bis zwölfjährigen gar nicht so einfach. „Ich hatte extra für diesen Tag geübt,“ sagte beispielsweise Alexander im Vorfeld. Auch wenn es keine Bauzeichnungen gab: die Kinder waren erfinderisch.

Da wurden Häuser komplett mit Inneneinrichtungen ausstaffiert, andere bauten den Eiffelturm oder einen Fernsehturm nach, ergänzt mit den für die jungen Leute ganz wichtigen WiFI-Antennen. Eine andere Gruppe komplettierte einen Flughafen mit Restaurants, Parks und Einkaufläden. Doch immer wieder krachten großartige Bauwerke in sich zusammen und wurden von neuem aufgebaut, verstärkt und gesichert. Dabei konnte man gut sehen, wie sich Fähigkeiten und Gaben entwickelten und manche Partnerschaften sich gegenseitig richtig gut ergänzten. Die Zeit wurde für manchen knapp – ob man rechtzeitig fertig werden würde? Am Schluss konnten 22 Bauwerke betrachtet werden – und einige der aktiven Bastler waren schlicht über sich hinausgewachsen.

Darauf nahm Pfr. Thomas Volkmann schließlich in einem Abschluss-Gottesdienst Bezug. „Wir wollen häufig ganz hoch hinaus, so wie beim Turmbau zu Babel. Nur vergessen wir schnell, dass unsere Fähigkeiten begrenzt sind.“ „Auf was kannst du bauen?“, fragte er in die begeisterte Runde der Gottesdienstbesucher – und spielte dabei auf die Erlebnisse des Vormittags an. „Wir haben viel gelernt: sich gegenseitig zu helfen, zu unterstützen, einander aufzubauen, wenn was zusammenstürzt. Es sind neue Freundschaften entstanden. Und dass es nicht darauf ankommt, der erste zu sein, sondern mutig seinen Weg zu gehen – das fällt nicht so vom Himmel, sondern wird uns von Gott geschenkt,“ meinte der Pfarrer. Wichtig sei im Leben immer wieder, auf das richtige Fundament zu setzen und sich dabei von Gott geliebt zu wissen. „Zu wissen, was gilt und worauf ich mich verlassen kann, ist gerade in diesen Zeiten wichtig,“ spielte er auf die aktuellen Ereignisse in Thüringen und Hanau an. „Genau das hat Jesus uns vorgelebt: Vertrau auf Gott und lebe dieses Vertrauen – auch nach außen, zu deinen Mitmenschen!“

Die Begeisterung für den Legotag sprang auch auf die Besucher des Abschlussgottesdienstes über. „Wir erreichen so auch Menschen, die nicht aktiv zur Kirchengemeinde gehören“, erklärt Susi Heiderich das Phänomen. Sie hat als Gemeindepädagogin 2015 das Konzept für den Legotag entwickelt und kommt seitdem immer wieder in die Gemeinden, um es umsetzen. „Man merkt, ohne Unterstützung geht es nicht. Die ist da. Nicht nur durch den Pfarrer, sondern auch bei den Kirchenältesten und den Eltern,“ zeigte sich Diakonin Jana Volkmann dankbar, die vor Ort ehrenamtlich die Christenlehre leitet. So war es sicher nicht der letzte Legotag, der in Tiefenort angeboten wurde.

Tiefenort wird erste Radwegekirche im Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach

Die Peterskirche in Tiefenort wird am 19. April ganz offiziell zur ersten Radwegekirche im Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach. Sie liegt günstig am Werra-Radweg zwischen Bad Salzungen und Vacha. Wir wollen diesen Anlass mit einer Sternfahrt zur Radwegekirche, einem Festgottesdienst um 14 Uhr und einem großen Gemeindefest im Anschluss begehen, bei denen uns die zahlreichen Vereine in Tiefenort tatkräftig unterstützen werden.

„Immer wieder haben wir während des letzten Jahres Radler und andere Besucher vor der Peterskirche in Tiefenort gesehen, die leider vor verschlossener Tür blieben,“ erzählt Pfr. Thomas Volkmann, wie es zu dem Entschluss kam, Radwegekirche zu werden. „Sehr schnell konnte ich den Gemeindekirchenrat überzeugen: Lasst uns die Kirche öffnen.“

Radwegekirche zu sein, bedeutet zugleich eine verlässlich geöffnete Kirche zu werden. So wird die Kirche zwischen Ostern und Anfang Oktober zwischen 10 und 18 Uhr offen gehalten, um nicht nur den Radfahrern am Werratal-Radweg Gelegenheit zu bieten, in der Peterskirche zu Tiefenort geistlich aufzutanken.

„Dabei geht es uns nicht nur um den touristischen Zweck, sondern wir wollen auch ganz bewusst für geistliche Angebote Sorge tragen. So wird es auch neben einem Gästebuch auch Bibeln, Fürbitt-Angebote und eine Gebetswand geben. Zudem möchten wir jedes Jahr ganz bewusst die Radwege-Saison mit einem speziellen Gottesdienst für Radfahrer eröffnen,“ erklärt Pfr. Thomas Volkmann. Das Konzept geht auf die guten Erfahrungen mit der Radwegekirche in Schwarzburg zurück, wo er zuvor Pfarrer war.

In diesem Jahr wird die Eröffnung der Radwegekirche jedenfalls ein besonderes Erlebnis. Am Sonntag wird eine Radtour (ab 13:15 von Bad Salzungen, Treffpunkt Eingang Puschkinpark/Solewelt) angeboten, bei der neben Pfr. Volkmann und Bürgermeister Klaus Bohl auch einige hochrangige geladene Gäste mitfahren werden.

Ab 14 Uhr wird ein Festgottesdienst gefeiert, in dem sich der neue Propst Tobias Schüfer vorstellt. Anschließend wird das Signet „Verlässlich geöffnete Kirche“ und „Radwegekirche“ an der Kirche angebracht. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen. „Natürlich wird das dann ausgiebig gefeiert, die Tiefenorter sind berühmt für ihren Kuchen und die gute Bratwurst,“ freut sich Pfr. Thomas Volkmann schon auf den Termin.