Ein Gottesdienst mit Band, bei dem zur Sprache kommt, was dich beschäftigt
Sonntagabend, 18 Uhr in Tiefenort. Während die meisten Menschen jetzt vor dem „Tatort“ sitzen, planen wir etwas, das deutlich nahbarer ist als jede Krimi-Folge: Das echte Leben auf der Kirchenbühne.
An diesem Invokavit-Sonntag (22. Februar, 18 Uhr) probieren wir ein Format aus, das man als „performative Predigt“ bezeichnen könnte. Eigentlich geht es jedoch um eine ganz schlichte, aber brennende Frage: Worum kämpft dein Herz wirklich?
Das Problem: Fromme Antworten auf grummelnde Bäuche
Häufig sitzen wir in der Kirche und hören lediglich passiv zu. Draußen toben derweil die Sorgen – von der Nebenkostenabrechnung über den Fachkräftemangel bis hin zur Frage, ob die Rente später reicht. Inmitten dieser Realität fühlen wir uns in der traditionellen Liturgie manchmal wie in einer anderen Zeitzone. Da die Predigt meist klassisch von oben kommt, wirken die Antworten oft zu fern für den Bauch, der gerade vor Sorge grummelt.
Deshalb drehen wir den Spieß diesmal um.
Noch bevor ich als Pfarrer das erste Wort sage, gehört die Bühne drei Stimmen aus unserer Mitte. Dabei handelt es sich nicht um Schauspieler, sondern um Menschen wie du und ich:
- Zuerst die Sorge um das Brot: Ein Mann tritt mit einem Kassenzettel in der Hand auf. Er wirkt atemlos. Dabei spricht er nicht über das biblische Manna, sondern über die aktuellen Preise an der Tankstelle der B62. Es geht um dieses fiese Flüstern im Kopf, das sagt: „Vergiss das Gottvertrauen, das zahlt keine Rechnungen.“
- Danach der Wunsch nach dem Beweis: Eine Zweiflerin schaut kritisch zum Kreuz empor. Anstatt grauer Theorie fordert sie ein echtes Wunder ein. Sie wünscht sich etwas Handfestes, damit im Werratal endlich alle den Mund nicht mehr zubekommen. „Wenn es ihn gäbe, würde er doch eingreifen, oder?“
- Schließlich der Kompromiss für den Erfolg: Ein smarter Macher betritt die Szene. Er kennt die harten Spielregeln der Welt. „Eine Hand wäscht die andere, so läuft das Geschäft nun mal“, stellt er klar. Zwar kostet das ein Stück der eigenen Seele, aber das merkt ja angeblich keiner.
Warum wir das so machen
Die Flow-Band schafft keine steife Kirchen-Atmosphäre, sondern Raum. Wie in einem guten Café oder bei einem Konzert. Die Musik bereitet das Herz vor, das im Alltag oft verkrustet ist.
Die Szenen machen das Unsagbare sagbar. In der Kirche gibt man ungern zu: „Ich zweifle“ oder „Ich habe Angst vor der Armut“. Aber wenn es ein anderer ausspricht, entsteht dieses befreiende „Me too“ der Spiritualität. Du merkst: Du bist nicht allein.
Der Kernpunkt: Wer darf dir eigentlich was sagen?
In der Predigt antworten wir auf diese Stimmen. Wir reden nicht über abstrakte Wüsten-Theologie, sondern über:
- Den Algorithmus, der uns einredet, wir seien nicht genug.
- Das Gerede an der Tankstelle, das nur noch Vergangenes feiert.
- Das „Lot-Weibchen-Syndrom“: Die Gefahr, in der Nostalgie zu versteinern, weil die Gegenwart bedrohlich wirkt.
Jesus kannte diese Stimmen. Er war ihnen ausgesetzt. Und seine Antwort ist kein „Reiß dich zusammen“, sondern ein „Du hast Wurzeln“.
Einladung zur Entlastung: Das Feuer und das Licht
Am Ende wird es praktisch. Wir haben Zettel vorbereitet. Schreib auf, was dich klein macht. Die Angst um die Enkel, der Druck im Job, der Zweifel an Gott. Wir legen es am Kreuz ab. Wer möchte, kann seinen Zettel am Ausgang in einer Feuerschale verbrennen lassen – ein Zeichen, dass wir diese Last nicht allein nach Hause tragen müssen. Oder zünde eine Kerze an, als Lichtblick gegen die Nacht.
Für wen ist das? Für Eltern mit ihren Konfirmanden. Für die 60-Jährigen, die um die Zukunft bangen. Für Handwerker, die den Sturm spüren. Für alle, die wissen: Ohne Licht keine Schicht.
Invokavit. 22. Februar 2026. 18 Uhr. Tiefenort.
Komm vorbei. Bring deinen Bauch mit. Auch wenn er grummelt. Deine Wurzeln reichen tiefer als die Sorge.
INFO-BOX:
- Wann? Sonntag, 22. Februar 2026, 18:00 Uhr
- Wo? Kirche Tiefenort
- Mit dabei: Flow-Band & Team


